Betriebliche Suchtkrankenhilfe

Umgang mit co-abhängigen Partnern in Hilfesituationen

- eine Präsentation von Kathrin Meyer

  • Moos & Tiefsee
  • Schiefer & Petrol
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Die Fragestellung

„Welche Interventionsmöglichkeiten hast du, wenn du bei einer Hilfesituation mitbekommst, dass der Partner des Betroffenen co-abhängiges Verhalten zeigt?“

Eine systematische Fallanalyse von frühen Mustern bis zur eigenständigen Erkrankung.

Grundhaltung & Vorüberlegungen

Rollenklarheit
  • Mein primärer Klient ist der Mitarbeiter.
  • Ich bin nicht der Therapeut des Partners.
  • Sucht ist eine Familienkrankheit (Systemischer Ansatz).
Was bedeutet Co-Abhängigkeit hier?
  • Keine Bösartigkeit, sondern ein verzweifelter Lösungsversuch.
  • Enabling: Verantwortungsübernahme und Abpuffern von negativen Konsequenzen.
  • Dadurch wird das Suchtsystem unbeabsichtigt stabilisiert.

Systematik der Co-Abhängigkeit

Fall 1: Die „aufopferungsvolle Regisseurin“

Stadium: Frühe Muster / Enabling im gemeinsamen Gespräch

Situation: Kollege Michael riecht nach Alkohol. Partnerin Sarah ist beim Gespräch dabei. Sarah antwortet für ihn: „Wir haben das im Griff. Ich kaufe ihm nur noch leichtes Bier, massiere ihn nach dem Dienst und koche Kaffee.“

Interventionsschritte

1. Kommunikationsregeln setzen (Stop-Signal)

„Sarah, es ist toll, wie sehr Sie Michael unterstützen. Für dieses Gespräch ist es aber wichtig, dass Michael selbst für sich spricht. Michael, wie siehst du deinen Konsum?“

Ziel: Das System der Verantwortungsabgabe unterbrechen.

2. Psychoedukation (Aufklärung)

„Wenn Sie das Bier kontrollieren und kaufen, machen Sie sich unbewusst zur Komplizin. Echte Hilfe bedeutet, Michael die Verantwortung komplett zurückzugeben.“

Ziel: Unterscheidung zwischen echter Hilfe und Suchterhaltung klarmachen.

3. Fokus auf Selbstfürsorge lenken

„Wo bleiben Sie eigentlich bei all der Kontrolle? Was tun Sie derzeit nur für sich, ohne an Michael zu denken?“

Ziel: Den Blick vom Betroffenen abwenden und auf die eigene beginnende Belastung richten.

Fall 2: Der „erschöpfte Kontrolleur“

Stadium: Fortgeschritten / Eigener Krankheitswert

Situation: Kollegin Karin trinkt. Ehemann Thomas ist beim Gespräch dabei. Er weint, zittert: „Ich durchsuche jeden Abend ihre Taschen. Ich habe Panikattacken, Schlafstörungen, treffe keine Freunde mehr. Wenn ich sie fallen lasse, geht sie zugrunde!“

Interventionsschritte

1. Notbremse & Fokusverschiebung

„Thomas, stopp. Ich sehe, dass Sie völlig am Ende Ihrer Kräfte sind. Ihre Gesundheit ist bereits massiv angegriffen. In diesem Moment müssen wir über Sie sprechen.“

Ziel: Akute Intervention, da der Partner hier gerade der gefährdetere Klient ist.

2. Realitätscheck

„Trotz all Ihrer Kontrolle: Hat es Karin vom Trinken abgehalten? Nein. Sie können sie nicht retten, Sie können sich derzeit nur selbst retten.“

Ziel: Dem Partner die Illusion der Allmacht nehmen und ihn entlasten.

3. Akute Weitervermittlung (Netzwerk)

„Thomas, Flyer reichen hier nicht mehr. Bitte kontaktieren Sie sofort Ihren Hausarzt wegen der Panikattacken. Ich vermittle Sie parallel an die Angehörigengruppe Al-Anon und an eine psychosoziale Beratungsstelle.“

Ziel: Delegation an das professionelle Hilfesystem (Ärzte, Selbsthilfe).

Fall 3: Die „resignierte Anklägerin“

Stadium: Anklagephase / Massive Konfliktdynamik

Situation: Mitarbeiter Bernd trinkt. Ehefrau Petra begleitet ihn ins Büro. Sie ist extrem wütend, weint vor Erschöpfung und macht massive Vorwürfe: „Du ruinierst unsere Familie! Wegen dir haben wir Schulden. Ich muss alles alleine machen, du bist ein egoistischer Nichtsnutz!“ Bernd schweigt beschämt.

Interventionsschritte

1. Deeskalation & Allparteilichkeit wahren

„Petra, ich spüre Ihre enorme Wut und Verzweiflung. Es ist wichtig, dass wir hier sachlich bleiben, damit wir eine Lösung finden. Vorwürfe helfen uns gerade nicht weiter.“

Ziel: Die Situation beruhigen und Not validieren, ohne die Eskalation zuzulassen.

2. Schutz des Mitarbeiters (Grenzen setzen)

„Ich dulde in meinem Büro keine Beleidigungen. Wir sprechen hier mit Respekt miteinander. Bernd, wie geht es dir, wenn du diese Vorwürfe hörst?“

Ziel: Den Mitarbeiter vor verbalen Attacken schützen und das Setting sichern.

3. Einzelgespräche initiieren (Splitten)

„Ich merke, dass die Emotionen hochkochen. Ich schlage vor, wir trennen uns für heute. Ich spreche jetzt allein mit Bernd, und Ihnen gebe ich die Adresse der Angehörigenberatung mit.“

Ziel: Die toxische Dynamik durchbrechen, da ein gemeinsames Gespräch unmöglich ist.

Zusammenfassung der Interventionen

Do's

  • Validieren: Die emotionale Not des Partners anerkennen.
  • Grenzen setzen: Kommunikationsregeln im Gespräch etablieren.
  • Aufklären: Prinzip der „Hilfe durch Nicht-Hilfe“ erklären.
  • Vernetzen: Konkrete Adressen für Angehörige mitgeben.

Don'ts

  • Den Partner verurteilen oder ihm Vorwürfe machen.
  • Die Probleme des Paares therapeutisch aufarbeiten wollen.
  • Zulassen, dass der Partner das Gespräch dominiert und den Betroffenen entmündigt.

🫶🏻Geschafft!

Gruppenfoto der Ausbildungsgruppe – sieben Personen, eine zeigt Daumen hoch

Bestanden, na klar! ;) – Danke Ulli!

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“

– Mahatma Gandhi